Noch richtig gut in Schuss

Bilder und Text von Andreas Royer, Sulzbach-Rosenberger Zeitung

Die Zimmerstutzen sind zwar etwas weniger in Gebrauch, haben aber noch lange nicht ausgedient. Denn bei der Zimmerstutzen-Schützengesellschaft 1893 Rosenberg rührt sich immer etwas. Vor allem im Jubiläumsjahr, wenn das 125-jährige Bestehen am Eichelberg mit einem Festakt gefeiert wird.

Die alten Schützenscheiben sind der ganze Stolz des Vereins. Deshalb hat Schützenmeister Reinhold Brandl pünktlich zum 125-jährigen Jubiläum am Sonntag, 30. September, eine ganze Wand voll mit den historischen Kunstwerken bestücken lassen. Beim Festakt werden sie sicher im Zentrum des Interesses stehen. „Aber wir sind auch eine lebendige Gemeinschaft mit vielerlei Aktivitäten, die wir als traditionsreicher Rosenberger Verein auch am Ehrentag herausstellen werden“, freut sich Brandl.

Mit seinem Stellvertreter Martin Partsch blättert er beim Pressegespräch im Schützenheim-Biergarten in der Vereinschronik. Sie verweisen auf die Gründung im Jahr 1893 in der Spitzermühle mit Obermeister Hans Wiedmann, Malermeister Andreas Zacherl und Johann Sechser. „Das Gründungslokal ist dann auch gleich bis 1914 das Vereinsheim geblieben“, ergänzt Martin Partsch.

Wie sie erklären, hatte der Schützenverein schon bald eine soziale Funktion mit hohem gesellschaftlichen Ansehen. „Die Rosenberger veranstalteten offene Schießen, die mit wahren Volksfesten verbunden waren“, blickt Reinhold Brandl zurück. Diese Schießen richteten die Schützen mit den sogenannten Zimmerstutzen aus. 1923 schafften sich die Schützen eine Königskette an, zwischenzeitlich war man ins Café Kern umgezogen, wo in der Kegelbahn geschossen wurde. Die Vereinsfahne ist seit 1927 im Besitz der ZSG 1893.

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Leonhard Kurz

Der Zweite Weltkrieg beendet alle Aktivitäten, erst 1950 wagten elf Männer um Hans Kurz einen Neuanfang im Casino Schlössl, ist in der Chronik zu lesen. „Königskette und Vereinsfahne rettet Josef Donhauser während der Kriegswirren, indem er das Vereinsgut in einer Hundehütte versteckte. „Zu dem bissigen Fifi traute sich niemand hineinlangen“, schmunzelt Reinhold Brandl. 1952 fand der Verein in der Gaststätte Georg Heldrich ein neues Domizil. Es sei dank der guten Jugendarbeit von Franz Gleixner, Georg Birner, Anton Friedl, Alfons Ostler und Leonhard Kurz ständig bergauf gegangen.

„Wegen der beengten Verhältnisse schufen sich die Schützen 1965 eine vom Gasthaus getrennte Schießanlage mit sechs Ständen“, blättert Martin Partsch weiter in den Aufzeichnungen. Der heutige Ehrenschützenmeister Georg Birner leitete die Vereinsgeschicke in den 50er und 60er Jahren. Wegen der guten Entwicklung keimte bei den Verantwortlichen bald der Wunsch nach einem eigenen Vereinsheim auf. Im Dezember 1983 konnte die ZSG bereits in ihre neugebaute Bleibe in unmittelbarer Nähe der alten Kellerwirtschaft am Eichelberg umziehen. Der Schießbetrieb startete 1984 an 12 Ständen für Luftdruckwaffen. Bis 1987 kamen voll eingehauste zehn Stände für Faustfeuerwaffen sowie sechs 50-Meter-Stände für Kleinkaliber hinzu.

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Schützenkönig Sepp Schmaußer im vollen Ornat

Nach Anton Friedl und Hermann Spanner übernahm Reinhold Brandl das Ruder bei der ZSG 1893. „Der Bundesligaaufstieg der 1. Luftgewehrmannschaft im Jahr 1997 stellt unseren größten sportlichen Erfolg dar“, merkt der Schützenmeister an, der sich für die Zukunft wieder mehr Nachwuchsschützen wünscht sowie Vereine und die Öffentlichkeit auch während des Jahres zu Besuchen und zum Schießen einlädt.

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Der Vorstand mit den Schützenmeistern (von links) Leo Kurz (2.), Martin Partsch (3.), Reinhold Brandl (1.) und Kassier Günther Weiß.